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Wa-Kreationen
An der Faustregel, dass Japaner westlichen Modetrends nicht einfach nur folgen sondern sie sich ganz und gar zu eigen machen und dabei uminterpretieren oder bisweilen regelrecht umkrempeln ist nichts weiter neu. Neu ist, dass sie dabei verstärkt auf Elemente aus ihrer eigenen Kultur zurückgreifen, einem unerschöpfliches Reservoir an "exotischen" Formen, Mustern und Techniken. Zusammenfassen lässt sich dieser Trend Schlagwort "Wa".

Der Begriff "Wa", in seinem Ursprung eine alte chinesiche Bezeichnung für Japan, steht für die Verquickung westlicher und altjapanischer Elemente. "Wa" Artikel sind moderne Modeartikel, die traditionell japanische Motive und Techniken zitieren. Modelabels entwerfen so genannte Wa-Kreationen, die moderne Outfits mit spezifisch japanischen Materialien und Mustern kombinieren. Entsprechend sind bei Kyoto Denim Jeanshosen, T-Shirts, Schuhe oder auch andere Accessoires mit Kirschblüten oder anderen japanischen Blumenmustern versehen oder bestückt. Zum Einsatz kommen neben modernen Druckverfahren und Stickerei Textilien auch traditionelle Fertigungsmethoden. So erinnerte sich das Modelabel Kyoto Denim an alte Färbetechniken färbte einen Teil seiner aktuellen Jeanskollektion im Stil der "Kyo Yuzen" Färbetechnik gefärbt, die mehrere hundert Jahre alt ist. Besonders mit dieser Technik oder der Indigo-Färbemethode gefärbte Kleider und Tücher erlebten einen regelrechten Boom in Japan.

Der Einsatz von "Wa" Elementen ist für junge Japaner die mit westlichen Modetrends aufwuchsen keineswegs ein Ausdruck von Nostalgie, sondern vielmehr von Spass an der Entdeckung von etwas Neuem. Jüngste Trends zeigen, das "Wa" auf dem besten Wege, sich als allgemeiner Hang zur Beimischung altjapanischer Elemente auch ausserhalb des Kleidungssektors zu etablieren.  im Bereich der Haarmoden zitiert "Wa" auf vielfältige Art und Weise traditionelle Geisha Frisuren, ein international erfolgreicher Trend, mit dem auch japanische Haarpflege Techniken und Produkte in den Westen gelangen.  "Wa" Elemente machen sich auch im Design von Lampen und anderen Dekorationsgegenständen bemerkbar, oder durch als tradionell japanischen geltende Zutaten und Geschmackrichtungen in typisch westlichen Süssigkeiten. Auch die jüngste Marketing Kampagne des Schuhlabels Onituska, bei der man von einer Schreinerei für Traditionsmäbel überdimensionale Holzturnschuhe im altjapanischen "Tansu" Stil anfertigen liess, ist direkt durch "Wa" inspiriert.

Außerhalb Japans beginnen immer mehr Designer, sich für "Wa" zu interessieren. Exotisch und neu ist es allemal, und wer hat schon etwas dagegen, mit glücksbringenden Motiven oder Langlebigkeit versprechenden Designs bestückt durchs Modeleben zu wandeln, und dabei gleichzeitig einen Stil zu prägen, den längst nicht jeder kennt und hat?